Heilfastenkur nach Buchinger

Heilfastenkur nach Buchinger

Einige Zeit schon hatte ich mich um einen Platz in der naturheilkundlichen Abteilung des Immanuel Krankenhauses in Berlin Wannsee bemüht. Dort befindet sich eine naturheilkundliche Abteilung. Meine Hausärztin hatte mir empfohlen, einige Jahre nach meiner Schlauchmagenoperation dort eine Heilfastenkur durchzuführen. Denn ich hatte nach einer Abnahme unmittelbar nach der Operation seit 3 Jahren einen Stillstand meines Gewichts. Meine Ärztin meinte, dass nach so langer Zeit mit einem Diabetes (30 Jahre) der Körper verlernt hat, einen normalen Stoffwechsel zu organisieren. Das könnte eventuell im Rahmen eines Heilfastens geschehen. Ich habe schon jahrelange Erfahrungen mit diversen Fastenkuren und widmete ich mich freudig dem Unterfangen, dort hingehen zu dürfen. Der Weg allerdings war nicht ganz einfach.

Zunächst versuchte ich bei der Ambulanz der naturheilkundlichen Abteilung einen Termin zu bekommen. Das war nicht einfach und hat etwa ein halbes Jahr gedauert. Als der Termin ran war, beriet mich Herr Dr. Stange, Chefarzt der naturheilkundlichen Abteilung, darüber, ob es bei meinem Gesundheitszustand, mit Schlauchmagen und Diabetes, überhaupt möglich und ärztlich sinnvoll ist, eine Heilfastenkur anzustreben. Er bejahte dies. Er stellte mir gleich eine entsprechende Bescheinigung zur Vorlage bei der Krankenkasse aus. Diese genehmigte mir innerhalb von 3 (!)Tagen diesen Aufenthalt. Dann ging es darum, einen Platz im Krankenhaus zu bekommen. Dieser war frühestens in einem dreiviertel Jahr möglich. Nachdem alle Hürden beseitigt waren, zog ich am 6. Oktober 2014 im Immanuel Krankenhaus ein.

Bereits an der Aufnahme erhielt ich von dem dortigen Mitarbeiter eine Plastikflasche, die mich die ganze Zeit im Krankenhaus über begleitete. Sie erinnerte mich stets daran, viel zu trinken. Die Aufnahme auf Station durch die Schwestern war sehr freundlich. Mir wurde alles gezeigt, was zum Krankenhausaufenthalt gehört. Auch Zimmer und Bett wurde mir zugewiesen. Dort war gleich ein Wermutstropfen vorhanden. Das Krankenhausgebäude muss wohl in den fünfziger/sechziger Jahren errichtet worden sein und ist dementsprechend nicht auf dem neuesten Stand. Die Zimmer sind sehr klein. Eigentlich höchstens für 2 Betten gedacht, es stehen 3 drin. Auch die Möglichkeit, die eigenen Klamotten unterzubringen, war sehr beschränkt. Der Schrank, in dem alles untergebracht werden muss, hat eine Breite von etwa 20 cm. Auch alles andere war mehr puppenstubenmäßig. Toilette und Dusche befinden sich für 2 Zimmer (6 Personen) auf dem Flur. Aber letztlich sind dies Nebensächlichkeiten, man ist ja schließlich im Krankenhaus und nicht zum Vergnügen hier.

Die Schwestern erklärten mir gleich zu Anfang, dass die naturheilkundliche Abteilung einige Besonderheiten aufweist. Zum Beispiel wird von den Patienten erwartet, dass sie das Fernsehgerät, das im Zimmer vorhanden ist, während ihres Aufenthaltes nicht benutzen. Denn schließlich soll man sich hier auf sich selbst besinnen. Gleich zu Beginn erhielt ich eine Wärmflasche, weil ich diese nicht mitgebracht hatte. Sie wird für einen Leberwickel benötigt. Das Genauere dazu erklärt einem die Schwester später. Ebenso erhält man einen Körnersack mit verschiedenen Körnern und Heilkräutern, der in der Mikrowelle erwärmt wird und den man später auf schmerzende Stellen legen kann. Das Aufnahmegespräch fand durch den Stationsarzt im Zimmer statt. Es war sehr ausführlich und beinhaltete nicht nur die üblichen Fragen nach Schmerzen, Tabletten und Vorerkrankungen. Bereits hier war deutlich zu merken, dass diese Station anders funktioniert als andere Krankenhäuser.

Auf jeder Station befindet sich ein zentraler Wasserspender, in dem gekühltes Wasser mit und ohne Sprudel in jeder Menge gezapft werden kann. Schwestern und Ärzte weisen einen darauf hin, dass möglichst viel getrunken werden sollte. Denn beim Fasten entstehen Abfallstoffe, die der Körper ausscheiden muss. Jeder Patient erhält dreimal am Tag einen Essenbon aufs Zimmer gebracht. Dieser enthält neben Name, Zimmernummer und anderen Daten den Hinweis an die Küche, was der entsprechende Patient bekommt. Im Immanuel Krankenhaus ist das Heilfasten ein Saftfasten. Dementsprechend steht auf dem Essenbon am 1. Tag abfasten, ab dem Folgetag Saft. Das Essen wird grundsätzlich in dem großzügig eingerichteten Restaurant eingenommen, in dem auch die Vollköstler speisen. Dennoch kommt kein Hungergefühl, kein Neid oder Ähnliches beim Fasten auf. Wenn, ja wenn man die Hinweise der Ernährungsberaterin befolgt.

Schon am 1. Tag gibt einem die Schwester einen Behandlungsplan. Regelmäßig kommt ein geänderter dazu. Es wird darauf Wert gelegt, dass der Patient möglichst den ganzen Tag über mit den verschiedenen Anwendungen und Therapien beschäftigt ist. So hat er keine Langeweile, wird von eventuellem Hunger abgelenkt und tut etwas Gutes für seinen Körper. Ganz im Sinne der naturheilkundlichen ganzheitlichen Behandlung. 4-6 Anwendungen pro Tag sind normal, dazwischen die Essenzeiten. Alles passiert ohne Hektik, dennoch gut durchgeplant und perfekt organisiert.

Die tägliche Visite findet nicht, wie ich sie aus anderen Krankenhäusern kenne, am Patientenbett statt. Stattdessen trägt der Patient sich auf einem Zettel am Arztzimmer am Abend vorher ein, wann er während der Visitenzeiten zum Arzt hingehen möchte. Auf diese Weise hat jeder Patient mindestens 10 Minuten Zeit, mit dem Arzt jeden Tag die aktuelle Therapie zu besprechen und gegebenenfalls zu ändern. Diese Änderungen finden häufig statt, um möglichst Verbesserungen für die Patienten zu erreichen. Nach jeder Änderung kommt ein neuer Heilplan für den Folgetag.

Abends findet ein Pflegegespräch bei den Krankenschwestern statt. Auch hierfür trägt man sich zuvor ein, sodass hintereinander alle Patienten bedient werden können. Hierbei wird die aktuelle Medikamentierung besprochen beziehungsweise die Änderungen, Blutdruck gemessen, der folgende Tagesablauf usw. Alles geschieht in ruhiger und angenehmer Atmosphäre.

Ein normaler Aufenthalt beim Heilfasten in Immanuel Krankenhaus geht von Montag bis Sonntag über 2 Wochen. Das ist die Spanne, die die Krankenkassen bezahlen. Am Montag ist Abfasten angesagt, dann folgen mindestens 7 Tage Fasten. Wer möchte, kann bis zu 10 Tage fasten. Anschließend erfolgen 3 Aufbautage. Das Heilfasten nach Buchinger läuft dort so ab, dass morgens, mittags und abends etwa 150 ml eines Saft zu sich genommen werden. Es stehen etwa 10 verschiedene Säfte zur Auswahl, alles reine Natursäfte. Morgens ist das Obstsaft, mittags wahlweise Obst- oder Gemüsesaft und abends Gemüsesaft. Hinzu kommen abends noch zweimal 200 ml Gemüsekochwasser. Wer das Saftfasten nicht verträgt oder nicht mag, kann auch Haferschleim bekommen.

Zu den Therapien und Anwendungen, die man dort erhält, gehören regelmäßige Schulungen zur Ernährung sowie Meditation, Atemtherapie, Feldenkrais oder Yoga. Zusätzlich zur Hockergymnastik, zur Venengymnastik, zu Wasseranwendungen usw. und sofort. Das Krankenhaus hat eine große und exzellente Physiotherapie, die dem Patienten mit all ihren Möglichkeiten zur Verfügung steht.

Wer möchte, kann sich eine Einzelsprechstunde bei der Ernährungstherapeutin geben lassen. Aber auch die mehrfachen Schulungen dieser Ernährungstherapeutin mit mehreren Patienten sind sehr wichtig und informativ. Zum Beispiel wurde ich dort darauf hingewiesen, dass der Saft beim Saftfasten nicht einfach getrunken werden sollte. Stattdessen muss er möglichst mit einem Teelöffel gelöffelt werden. Den Saft in den Mund nehmen und in den unteren Backen kauen. So wie es die Fachleute bei der Weinverkostung machen. Auch erklärt die Mitarbeiterin sehr gut, warum das so zu empfehlen ist. Durch die Kaubewegung wird die Ohrspeicheldrüse aktiviert. Diese wiederum liefert Enzyme, die die Nahrung vorverdauen. Dadurch wird die Nahrung schon im Mund aufgespalten und völlig unbekannte und interessante Geschmäcker und Aromen freigesetzt. Und tatsächlich, so ein Saft kann herrlich schmecken. Ein weiterer Vorteil des Kauens ist es, dass durch die Kaubewegungen der Magen auf die Ankunft der Speise vorbereitet wird. Es entsteht, warum noch ist nicht richtig bekannt, der Anfang eines Sättigungsgefühls. Man wird einfach schneller satt. Deshalb sollte man 20-30 Mal jede Speise, auch den Löffel Saft, kauen. Auch sollte jedes Essen, egal was gegessen wird, mindestens 20 Minuten dauern. Denn so lange braucht der Magen, bis er zum Gehirn ein Sättigungsgefühl meldet. Ein zusätzlicher Effekt entsteht, und bei mir war das auch so, dass durch dieses langsame Genießen des Essens eine Art meditativer Zustand entsteht. Während diesem kann man den Speisen alle Geschmäcker entnehmen, die sie haben. Sie schmecken ganz anders als gewohnt. Und man selbst wird ruhig und ruhiger. Die Konzentration auf das Essen war für mich ein entscheidender Faktor, der mich auch nach dem Krankenhaus begleitet. Die Ernährungsberaterin sagt auch, dass, damit man sich wirklich auf das Essen konzentriert, zuhause keine Ablenkungen während des Essens, etwa der Fernseher, vorhanden sein sollten.

Überhaupt wird viel dafür getan, dass die Erkenntnisse, die der Patient im Immanuel Krankenhaus gewinnt, ihm auch nach dem Krankenhausaufenthalt weiterhelfen. Beispielsweise empfehlen die Physiotherapeuten, wenn sie etwa eine Problemstelle beim Patienten erkannt haben, welche Übungen er zuhause weitermachen sollte und welche nicht. Mir ist die geänderte Essweise bisher gelungen. Dadurch habe ich regelmäßig seit meinem Fastenaufenthalt weiter abgenommen. Ich hoffe, dass das noch so weitergeht.

Einige der Patienten, die ich dort getroffen habe, sagten mir, dass sie regelmäßig jedes Jahr zum Heilfasten gehen. Die Kasse würde das auch bei entsprechender Begründung bezahlen. Genau darum werde ich mich bemühen. Ich bin den Mitarbeitern, den Ärzten, Pflegern und Physiotherapeuten dankbar, dass sie mir die Chance gegeben haben, mein Leben umzustellen in Bezug auf Ernährung, Entspannung und allgemeine Lebensführung.

Übrigens: im Krankenhaus finden regelmäßig Vorträge der Ärzte zu den Themen statt, die dort behandelt werden. Ich habe einen besuchen können und fand ihn sehr interessant. Diese Vorträge sind kostenlos. Näheres dazu im Internet.

© Schlesinger

 

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