Baryatrische Operation

Baryatrische Operation

Wer ständig zu viele Kilogramm mit sich herumtragen muss, kennt die damit verbundenen Beschwerden. Nicht nur die Boshaftigkeit anderer Menschen, die Hinweise gutmeinender Ärzte, auch die eigene Selbstsicherheit drängen übergewichtige Menschen dazu, abzunehmen. Die Folge jeden Versuches abzunehmen ist jedoch bei den Menschen, die diese Aufgabe haben, dieselbe: Anstieg des Gewichts. Nicht nur, dass fast jeder Mensch beim Altern an Körpergewicht zunimmt, die Übergewichtigen geht dies besonders an. Und jeder hat schon das Erlebnis gehabt, das eine Diät, welche auch immer, durch den in der Zwischenzeit akademisch bestätigten Jo-Jo-Effekt zu einer Gewichtszunahme führt.

Seit etlichen Jahren gibt es dank zeitgenössischer Heilkunst die Chance, operativ der Fettleibigkeit zu Leibe zu rücken. Die baryatrische Operation wurde erfunden. Diese, auch Adipositaschirurgie benannte Möglichkeit, geht dem Leiden an die Wurzel. Das Übel ist, dass Menschen mit der diesbezüglichen Ausrüstung von Erbfaktoren die zugeführte Ernährung extrem gut ausschöpfen. Diese Genausstattung ist von der Schöpfung angelegt wurden, damit das Menschengeschlecht in Nöten durchhalten kann. Während gesunde Menschen einen großen Teil der gegessenen Lebensmittel unverwertet wieder abgeben, ist das bei Übergewichtigen nicht so. Ihr Körper verwertet so gut wie alles, was im Essen an Energie enthalten ist. Ihr setzt die baryatrische Chirurgie an. Sie vermindert die Chancen für den Körper, mit dem Essen in Berührung zu kommen. Und wo die Kontaktfläche oder die Kontaktzeit zwischen Körper und Ernährung geringer ist, da kann nicht so viel Essen und Trinken verstoffwechselt werden. Das geschieht durch Schrumpfung des Magens, indem ja längst die Vorverdauung anfängt, oder auch noch einer Reduzierung des Dünndarms.

Für die baryatrische Operation gibt es vier unterschiedliche Operationsmethoden, die je nach medizinischer Notwendigkeit angewendet werden. Zuerst wurde das Magenband angewendet. Eine Plasteschlinge wird um den oberen Anteil des Organs platziert. Auf diese Weise wird dieser Magenteil zügig aufgefüllt, wenn der Kranke isst, und es kommt zu einem Sättigungsgefühl. Durch dieses Sättigungsgefühl hört die Person auf, den Hunger zu stillen. Denn wer gesättigt ist, isst nicht mehr. Das klappt ein ganzes Weilchen auch vorzüglich, der Kranke nimmt gut ab. Der Mangel dieser Art der baryatrischen Operation ist es, dass das Magenband mit der Zeit einwächst. Also kann es nur etwa neun Monate im Leib vorhanden sein und muss dann herausoperiert oder ausgewechselt werden. Es sind also wiederkehrende Einschnitte in den Körper nötig.

Als weiterer Weg der baryatrischen Operation entwickelte sich die Operationstechnik des Schlauchmagens. Bei dieser wird der Magen der Länge lang durchtrennt, der Restmagen entfernt und das zurückbleibende Stück zusammengenäht. Der Magen hat nun das Design einer Banane und ist auf ein Fünftel des naturbelassen Volumens verringert. Auch bei dieser Arbeitsweise wird der Magen sehr zügig voll, das Sättigungsgefühl setzt ein. Im Unterschied zu allen anderen baryatrischen Operation ist diese Arbeitsweise nicht rückgängig zu machen. Der Schlauchmagen wird oft dann angefertigt, wenn eine andere Möglichkeit der baryatrischen Operation aus therapeutischen Gründen nicht möglich ist. Die Weiterentwicklung dieser Operation ist etwa, nicht nur den Magen zu reduzieren, sondern zusätzlich auch den Dünndarm zu verkürzen. Bei dieser, Magenbypass benannten Operation, wird der Magen auf ein Fünftel verringert, der Restmagen nicht abgenommen. An den kleinen Teil des Magens wird der Dünndarm angeschlossen. Dazu wurde in den Dünndarm in 1 bis 3 m Entfernung ein Loch zugeschnitten und der Dünndarm in diesem Bereich mit dem noch vorhanden Magen vernäht. Der Dünndarm bleibt in seiner gesamten Abmessung im Körper. Nur die Eintrittsstelle das Speisebreis in den Dünndarm wird nach hinten gelegt. Der Dünndarm ist der entscheidende Verarbeiter der Nahrungsmittel. Durch die Verlegung der Eintrittsstelle hin zum Ende des Dünndarms ist die Entfernung, die der Speisebrei im Dünndarm bewältigen muss, vermindert. Die Zeit der Beeinflussung des Dünndarms auf das Essen ebenso. Dadurch hat der Körper schlechter Gelegenheit, die Nahrungsbestandteile zu benutzen. Bei der letzten Eventualität der baryatrischen Operation wird zusätzlich zur Verminderung des Magens der Dünndarm total außer Betrieb gesetzt, bleibt aber im Körper. Der Dickdarm wird an den noch vorhanden Magen angeschlossen. Der Speisebrei gelangt vom rezidierten Magen unmittelbar in den Dickdarm, eine Benutzung der Speisen ist nur noch begrenzt möglich.

Alle diese Arbeitsweisen der baryatrischen Operation haben aber gewiss auch Beeinträchtigungen. Beispielsweise erzeugt ein unbeschädigter Magen Vitamin B 12. Ist der Magen mehrheitlich entfernt, muss das Vitamin B 12 synthetisch gegeben werden. Vergleichbares gilt für Vitamin D, Folsäure, Kalzium usw. Hier fällt nicht die Fabrikation aus, aber die Nutzbarmachung ist begrenzt. Deshalb müssen einige dieser bedeutsamen Stoffe nach glücklicher baryatrischer Operation andauernd extern gereicht werden. Auch ist es notwendig, auch noch Eiweiß zu sich zu nehmen. Durch die kleineren Mengen an Speisen, die der Operierte nur noch essen kann, kann er nicht ausreichend viel Eiweiß perzipieren. Hier hilft Eiweißpulver aus der Apotheke. Personen mit einem Magenbypass stöhnen auch über Darmgeräusche, üble Darmblähungen, Laktose Unverträglichkeit, Durchfall und Ähnliches. Auch tun ihnen oftmals bestimmte Nahrungsmittel nicht gut. Diese Folgen treten beim Schlauchmagen meistens nicht oder belangloser auf.

Ich selbst habe den Schlauchmagen bekommen. Der Weg dahin war steinreich und ausgedehnt. Bevor ich überhaupt die Anfrage nach einer solchen baryatrische Operation stellen konnte, musste ich eine Ernährungsberatung besuchen und dies belegen, eine psychologische Begutachtung durchführen lassen und eine Einschätzung des Diabetologen vorlegen. Alles selber finanziert. Die Versicherung hat erst einmal die Anfrage abgewiesen, mit durchschaubaren Argumentationen. Der Widerspruch hatte Wirkung. Das Ganze hat etwa ein Jahr fortgedauert. Ich bin dann in ein Zentrum für baryatrische Operationen gelangt, wo die diesbezüglichen Fähigkeiten und Nachsorgemöglichkeiten existieren. Die wesentlichsten Voruntersuchungen wie Labor, Röntgen usw. hatte ich eingebracht. Die Operation verlief mühelos, auch in der Folgezeit hatte ich keine Beeinträchtigung. Nach neun Tagen wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Von der Operation ist der Magen natürlich aufgequollen. Dagegen muss man im Krankenhaus Nasentropfen einnehmen. Guten Appetit. Bereits im Krankenhaus nach der Operation begann der Nahrungsaufbau. Vier Tage lang gab es nur stilles Trinkwasser, davon aber so viel wie ausführbar. Dann fingen Suppen, Weißbrot, Butter und Tee an. Mit dieser Ernährungsform wurde ich dann entlassen. Über die Zeit danach hatte ich mir bis ins Einzelne Informationen verschafft, dem gemäße Fachliteratur ist im Internet beschaffbar und auch im Krankenhaus. Es folgte eine Entwicklungsperiode, in der ich vier Wochen lang nur pürierte Kost genießen durfte. Das in bescheiden Mengen, teelöffelweise. Das wesentliche Erschwernis während dieser Zeit war das Trinken. Man soll 2 l Getränk, also stilles Wasser, pro Tag zu sich nehmen. Aber zeitgleich auch zwischen dem Essen und dem Trinken 30 min Zeit ablaufen lassen. Hinzu kam, dass das Trinken von 200 ml Wasser Schlückchen weise etwa eine halbe Stunde in Anspruch nimmt. Das allerdings bedeutet, dass ich pro Stunde allenfalls 200 ml Flüssigkeit trinken konnte. Das hat zur Folge, dass man 10  Stunden pro Tag mit Trinken verbringt. Und das wird zur Beeinträchtigung. In der Zwischenzeit schob ich dann einige Male die „Mahlzeiten“ ein. Zwischen drei und fünf Mal am Tag. Hunger hatte ich keinen. Es war eher eine Anstrengung, das Essen runter zu bekommen. Obwohl meine Frau das Essen sehr gut anrichtet und mir immer wieder Auswahlmöglichkeiten vorsetzte. Der Verzehr von 2-3 Teelöffeln Essen dauerte anfangs bis zu 30 min. Auch vertrug ich nicht alle Nahrungsmittel. Mit der Zeit ging es allerdings Mal für Mal aufwärts. Aber die ersten vier Wochen waren nicht schön, das sollte jeder wissen, der die baryatrische Operation durchführen lässt. In den ersten vier Wochen nach dieser Operation wurde ich von Tag zu Tag kraftloser. Das lag daran, dass die bescheiden Essensmengen beim besten Willen nicht ausreichen, den Körper in Gang zu halten. Erst nach diesen vier Wochen wurde es augenfällig anders. Alle hatten mir vorher angekündigt, dass diese Schwächeperiode eintreffen würde, die bis zu einem halben Jahr dauern kann. Ich dachte mir, so beklagenswert wird es schon nicht werden, dann setzt du dich eben ab und zu mal hin. Was physische Schwachheit jedoch mit sich bringen kann, habe ich in dieser Zeit kennen gemerkt. Gehen war nicht möglich, Sitzen begrenzt, selbst das Heben eines Armes bleiern. Aber diese Zeit geht dahin und die Zeit heilt alle Verwundungen. Nebenbei bemerkt Wunden: die baryatrische Operation wird endoskopisch ausgeführt. Auf dem Bauch bleiben nur sechs Wundmale. Aber man darf nicht ignorieren, dass der Schlauchmagen im Inneren des Körpers eine etwa 30 cm lange Narbe entstehen lässt. Nach einem Monat konnte ich bereits die erste feste Kost zu mir nehmen. Von da an ging es empor, ich vertrug immer mehr Lebensmittelsorten. Auch die Menge der Nahrungsmittel, die ich genießen konnte, stieg etwas an. Denn nach einem Monat ist die Anschwellung von der Operation im Magen vorbei. Die Beraterin im Klinikum sagt einem ausdrücklich, dass man beim Essen nach der baryatrischen Operation sehr genau auf das Sättigungsgefühl achtgeben muss. Es tritt sehr schnell ein und man sollte dann sofort Schluss machen. Sofort meint, notfalls den Bissen aus dem Mund erbrechen. Macht man das nicht hat man das Risiko, den noch vorhanden Magen wieder zu auszudehnen. Ich habe mich daran beharrlich gehalten. Allerdings ist in der Zwischenzeit die Menge der Ernährung, die ich essen kann höher. Ich kann jetzt schon eine ganze Boulette genießen. Das Ziel der Schlauchmagenoperation, die Gewichtsabnahme, ist bei mir schnell eingetroffen. Ich habe in einem Vierteljahr einen 25 Kilo Gewicht eingebüßt. Ganz zu Beginn ging es selbstverständlich schnell, nun sind es 200 bis 400 g pro Woche. Eile mit Weile, aber fortwährend. Mit dem Resultat bin ich außerordentlich zufrieden und kann sie nur jedem naheliegen. Es ist das einzige, was wirklich funktioniert, und das anhaltend. Die Ärzte haben diagnostiziert, dass nach einer Schlauchmagenoperation oder einer Magenbypassoperation bei Diabetikern die Insulinabhängigkeit unzweideutig geringer wird oder sogar ganz auf Insulin verzichtet werden kann. Warum das so ist, wissen sie noch nicht. Daran wird gründlich erforscht. Bei mir ist es so, dass ich die Menge des Insulins halbieren konnte, bereits kurz nach der Operation. Diese Auswirkung der baryatrische Operation ist also nicht durch den Gewichtsverlust bedingt, sondern ist eine aussichtsreiche Folge der Operation. Ich besuche seit der Operation eine Selbsthilfegruppe im Klinikum, die mir sehr genützt hat, weniger Insulin.

© J. Schlesinger

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